Viele Griechen sind entsetzt: Fotos von Hinrichtungen der deutschen Besatzungsmacht aus dem Jahr 1944 sind bei Ebay aufgetaucht.
Athen Es war eine der berüchtigtsten Gräueltaten der deutschen Besatzer in Griechenland: Am 1. Mai 1944 ermordeten Soldaten der Wehrmacht in Athen 200 griechische Widerstandskämpfer. 82 Jahre später wird das Grauen auf eine verstörende Weise wieder präsent: Ein belgischer Sammler hat Fotos der Hinrichtung auf eBay angeboten. Dass diese historischen Dokumente meistbietend versteigert werden sollten, löste in großen Teilen der griechischen Öffentlichkeit Empörung aus.
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Der Vorsitzende der linken Oppositionspartei Syriza, Sokrates Famellos, sprach von einem „historischen Erbe des gesamten griechischen Volkes“. Die Bilder seien „keine Handelsware, sie sind unsere Geschichte“, schrieb er. Die Hinrichtung vom 1. Mai 1944 zählt zu den schwersten Verbrechen der deutschen Besatzungsarmee in Griechenland. Die meisten Ermordeten waren politische Gefangene, viele aus dem Konzentrationslager Haidari in Athen.
Die Wehrmacht deklarierte die Erschießung als „Sühnemaßnahme“ für den Tod des deutschen Generalmajors Franz Krech und vier weiterer Offiziere. Partisanen hatten die deutschen Soldaten am 27. April 1944 bei der Ortschaft Molaoi auf der Peloponnes in einen Hinterhalt gelockt und getötet.
Dass die Besatzer den 1. Mai – den internationalen Tag der Arbeit – und Kaisariani als Ort wählten, war kein Zufall. Das seit den 1920er Jahren von Flüchtlingen aus Kleinasien geprägte Viertel galt als Hochburg der Linken. Während der deutschen Besatzung wurde Kaisariani zu einem Zentrum der Widerstandsbewegung EAM und ihrer militärischen Organisation ELAS. Viele der Hingerichteten waren Kommunisten, die schon unter dem Regime des griechischen Diktators Ioannis Metaxas zwischen 1936 und 1941 inhaftiert worden waren. Beigesetzt wurden die Opfer auf dem 3. Athener Friedhof im Stadtteil Nikea. Dort befinden sich die Gräber zahlreicher Widerstandskämpfer gegen die Metaxas-Diktatur und die deutschen Besatzer. Ein 1980 errichtetes Denkmal erinnert dort an den nationalen Widerstand gegen die deutsche Okkupation.
Das Massaker vom Maifeiertag 1944 war kein Einzelfall: Während der Besatzungszeit exekutierten die Deutschen in Kaisariani etwa 600 Widerstandskämpfer. Das jüngste bekannte Opfer war der 14-jährige Andreas Likourinos, erschossen am 5. September 1943. Die Verbrechen von Wehrmacht und SS in Griechenland wurden in Deutschland lange verdrängt. Ortsnamen wie Kaisariani, Kalavryta oder Distomo, Schauplätze von Massakern, blieben vielen unbekannt. Erst seit den 1980er Jahren setzte eine breitere Auseinandersetzung ein. Im Juli 2022 gedachte Kulturstaatsministerin Claudia Roth in Kaisariani der Opfer und sprach von einem „blinden Fleck“ der Erinnerungskultur. Bereits 1987 hatten Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Außenminister Hans-Dietrich Genscher die Gedenkstätte besucht. Begleitet wurden sie vom damaligen griechischen Staatspräsidenten Christos Sartzetakis. Weizsäcker sagte damals, er stehe bewegten Herzens an diesem Ort: „Diese Gedenkstätte ist unlösbar mit der Geschichte Ihres und meines Volkes verknüpft.“
Eine zahlreicher Gräueltaten der #Wehrmacht in #Griechenland:
Athen 1.5.44: Mord an 200 Widerstandskämpfern
- nun sind Fotos aufgetaucht (StZ. 19.2.26)